Wölfe. Farben. Und Bäume, die miteinander kommunizieren
Hast du schon einmal etwas von „Werners Nomenklatur der Farben“ oder davon gehört, dass der größte lebende Organismus auf der Welt der Wald ist? 
Achwarzweißer Wolf in Wald

Hast du schon einmal etwas von „Werners Nomenklatur der Farben“ oder davon gehört, dass der größte lebende Organismus auf der Welt der Wald ist? Nein? Ich bis vor Kurzem auch nicht. Dann fiel mir das neue Buch „Wo die Wölfe sind“ einer meiner Lieblings-Schriftstellerinnen in die Hände:

Die Australierin Charlotte McConaghy hat ein überragendes Wissen über die Zusammenhänge in einem Ökosystem angehäuft. Die Geschichte selbst handelt von einer Wolfsbiologin, die ein Renaturierungsprojekt in Schottland anleitet. Wölfe haben eine Schlüsselrolle für das Gleichgewicht in der Natur. Naja, nicht Wölfe per se – Beutegreifer ganz allgemein. Die waren und sind den sesshaften Farmern dieser Welt ein Dorn im Auge. Irgendwie nachvollziehbar, wer will schon ständig sein Weidevieh dezimiert sehen…

Aber – was dabei gedanklich außer Acht gelassen wird, sind folgende Aspekte:

„Ökosysteme benötigen Spitzenprädatoren, weil diese dynamische ökologische Veränderungen anstoßen, die sich dann über die ganze Nahrungskette ausbreiten.“

(Charlotte McConaghy: Wo die Wölfe sind)

Beutegreifer sind ein entscheidendes und unersetzbares Element in einem Ökosystem. Sie halten die Wild- und Nagetierpopulation im Gleichgewicht. Nimmt diese überhand, haben junge Triebe verschiedenster Baumarten und anderer Pflanzen keine Chance zu wachsen. Der Wald stirbt nach und nach!

Außerdem fressen Wölfe und andere Prädatoren nie den ganzen Kadaver. Davon profitieren wiederum Aasfresser wie verschiedene Säuger, Vögel und Insekten. Und auch Zersetzer wie Würmer, Bakterien und Pilze ernähren sich davon. Sie wandeln das tote Material in anorganische, nährstoffreiche Stoffe um, die wiederum die Grundlage für das Wachstum vieler Pflanzen sind!

„Im Wald schlägt ein Herz, das wir nicht sehen können.“

(Charlotte McConaghy: Wo die Wölfe sind)

Die allermeisten Wälder Europas sind „Plantagen“. Sie haben nichts mehr mit dem zu tun, wie die Wälder vor dem Wüten sesshafter Menschen ausgesehen haben. Gott sei Dank gibt es trotzdem noch viele Wälder in Europa. Sie sind aber charakterlich keine Urwälder, sondern das Ergebnis von Aufforstung. Aus Bäumen wird in einem ca. 80 jährigen Rhythmus Holz, Möbel oder Papier. Es gibt nur wenige ältere Bäume in unseren Wäldern. Erstaunlich, oder?!

Noch viel erstaunlicher finde ich persönlich, dass Bäume fühlen, handeln und miteinander kommunizieren. Ja, richtig gelesen! Bäume fühlen Schmerzen, die messbar sind: Hackt zB. ein Specht seinen Schnabel in die Rinde, läuft ein elektrischer Reiz hindurch. Der Baum leitet eine Abwehrreaktion ein. (Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume)

UND – Bäume fühlen nicht nur, sie kommunizieren auch miteinander:

„Ihre Wurzeln winden sich ineinander, dutzende Bäume bilden mit dutzenden Bäumen ein Netz, das sich endlos erstreckt. Und sie raunen einander durch diese Wurzeln zu, sie warnen sich gegenseitig vor Gefahren, teilen sich die Nährstoffe, sie sind eine Familie […].“

(Charlotte McConaghy: Wo die Wölfe sind)

Charlotte McConaghys Buch ist voller Wissen rund ums Ökosystem. Aber keine Sorge – es ist wohlig verpackt in einer richtig guten Geschichte mit Liebesgeschichte, einem Mord und… vielen Wolfsbegegnungen!

Aber was ist nun „Werners Nomenklatur der Farben“? Das Werk erschien erstmals 1814 und ist DIE Referenz für Farben, wie sie in der Natur erscheinen! Charles Darwin benutze es auf seiner Forschungsreise auf der HMS Beagle, um die natürlichen Farben der Pflanzen und Mineralien, die er beschrieb, zu benennen! Neuerdings lasse ich wie die Protagonistin in „Wo die Wölfe sind“ meine Finger über die Farbfelder wandern. Ich bewundere die Farben, zu denen jeweils ein Tier, eine Pflanze und ein Mineral angeführt sind, die diese Farbe besitzen. Einfach atemberaubend diese Worte für Farben und ihre Entsprechungen in der Natur.

Wie werden wir also in Zukunft handeln? Wie werden wir die verschiedensten Wünsche der Menschen unter einen Hut bringen UND berücksichtigen, dass das Ökosystem der Welt längst an der Kippe steht? Ich weiß es nicht und ich bin traurig, dass die Situation so ausweglos erscheint. Aber ich bin auch voller Zuversicht! Menschen können über sich hinauswachsen, sie können erschaffen, was dem Wohle aller dient, sie können mitfühlend sein und verstehen, dass wir nicht die Herren dieser Erde sind. Die Erde braucht uns nicht. Aber wir brauchen sie…

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